Friday, 30. december 2011
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21:02
Heute ist der vorletzte Tag des Jahres und ich befinde mich mal wieder in einer elementaren Abbruchstimmung.
Nehmen wir zum Beispiel den 30. Dezember 2007...ein Sonntag. Auch da wurde ich diesbezüglich heimgesucht. Also packte ich damals
die Gelegenheit beim Schopfe, kontaktierte meine damalige Schulleiterin per SMS und setzte sie davon in Kenntnis, dass ich ihren üblen Schuppen nie wieder betreten würde. Weder am ersten Schultag
nach den Weihnachtsferien noch an irgendeinem anderen Tag. Seinerzeit hat meine prägnante Kündigungs-SMS natürlich eine Menge Ärger und eine riesige Schmutzlawine nach sich gezogen, aber...ich
habe meine einmal gefällte Entscheidung nie bereut. Ganz im Gegenteil, von da an ging es bergauf, zumindest in beruflicher Hinsicht.
Als ich mich heute Mittag aus dem Bett schälte, spürte ich sofort, dass der Tag nicht gleichmäßig plätschernd an mir
vorbeiziehen würde. So verlässlich, wie die Narbe an Oma Gertis rechtem Bein einen Wetterumschwung ankündigt, so fühlte auch ich in meinen Gebeinen ein gewisses, zukunftsweisendes Prickeln.
„Typisch Raucherbein!“, kommentierte Sohn Leo mein in Worte gefasstes Statement. Weitere Erklärungsversuche schmetterte er ab, indem er mir gnadenlos mitteilte, dass er auf meinen unfundierten
Scheiß keinen Bock hätte. Ich bedachte meine rotznäsige Leibesfrucht mit einem ungnädigen Blick und steckte mir hoheitsvoll die letzte Zigarette, die die Packung noch hergab, an. Ich paffte
genüsslich vor mich hin und sinnierte über etwaige Veränderungen, die bereits zum Greifen nahe schienen. Aber abgesehen davon, dass ich mit dem Rauchen aufhören wollte und mal wieder gedachte,
meinen Sohn ins nächste Waisenhaus abzuschieben, tat ich mich echt schwer, den Hinweis aus meinen Gebeinen zu deuten.
Erst als ich mich später genötigt sah, meinen bescheidenen Haushalt zwecks Suchtbefriedigung auf den Kopf zu stellen, wurde ich
fündig. Nee...eine verwaiste Kippe fiel mir nicht in die zittrigen Hände, wohl aber ein winziger Zettel mit einer mir unbekannten Handy-Nummer, die ich schwarz auf weiß einer Angelika zuzuordnen
konnte. Ich befragte meine Kinder aber die kannten weder besagten Namen noch besagte Nummer. Da die Handschrift, die beides zu Papier gebracht hatte, verdammt nach Hans-Gerd aussah, wählte ich
kaltblütig die notierte Nummer an und gab mich als Hans-Gerds Schwester aus. „Ich kann meinen Bruder nicht erreichen!“,seufzte ich gekonnt theatralisch, „können Sie mir vielleicht weiterhelfen?“
Nach einer kurzen Pause bekam ich einen sachdienlichen Hinweis: „Ich kenne Ihren Bruder noch gar nicht persönlich!“ vertraute mir die muntere Angelika an. „Wir haben uns erst vor ein paar Tagen
im Chatraum kennengelernt, und...nächste Woche werden wir uns das erste Mal persönlich begegnen...“ - „Dann wohnen Sie vermutlich in Frankfurt!“, tippte ich gewagt drauf los. „Ja!“ Da schau her!
Mit meiner spontanen Eingebung hatte ich voll ins Schwarze getroffen. Hans-Gerd, der ab Montag für zwei Wochen geschäftlich in Frankfurt weilt, hatte bereits matratzenmäßig vorgesorgt. Dieser
hinterhältige Frauenstapler! „Dann bestellen Sie meinen Bruder ganz, ganz liebe Grüße!“, beendete ich süßsauer das Gespräch mit der unbedarften Chatterin.
Anschließend fiel es mir wie Schuppen von den Augen. „Mit dem Rauchen sollst du nicht aufhören! Nicht mit dem Rauchen!“,
flüsterte ich andächtig und streifte mir bereits die High Heels über, um noch vor Ladenschluss Real zu erreichen. Nachdem ich mich mit einer ganzen Stange Marlboro Gold eingedeckt hatte,
formulierte ich folgende SMS an Hans-Gerd: Leider habe ich mich in einen anderen Mann verliebt und beende somit unsere Beziehung. Dir alles Gute und ein erfolgreiches
2012!
P.S. Mit dem anderen Mann ist aber keineswegs Schimmi gemeint!