Nach Feierabend sprinte ich schnell noch bei Real rein. Da nicht eine Scheibe Wurst im heimischen Kühlschrank lagert, arbeite ich mich sofort zur entsprechenden Abteilung vor. Ausgiebig studiere ich das breite Warensortiment. Tja, wer die Wahl hat, hat die Qual. Hinter mir wächst währenddessen die Schlange, und… ich vernehme sogar Laute des Unmuts. Aber ich lasse mich davon nicht tangieren, denn… gut Ding will Weile haben.
Nach reiflicher Überlegung ordere ich nach und nach die gewünschten Sorten. Als mir die freundliche Verkäuferin endlich das pralle Wurstpaket reicht, vernehme ich ein kollektives Aufatmen. Wenn ich nicht so müde wäre, würde ich noch eine gepfefferte Ansprache vom Stapel lassen, aber…meine geschundenen Gliedmaßen mahnen zum Aufbruch.
Etwas später, in der überfüllten Straßenbahn, schnappe ich einer nicht allzu betagten Tussi den Platz vor der
Nase weg, und… falle wie ein Käsekuchen in mich zusammen. Planlos lasse ich meinen Blick ein wenig schweifen und bleibe an einem Pärchen kleben, das in meinen Augen so gar nicht zusammenpasst.
Sie…jung, hübsch und quirlig. Er…nicht mehr so jung, dafür umso verlebter und äußerst arrogant. Passt...wie Knüppel aufs Auge!
Wie kann sich die Schöne auf so einen ollen Saftsack einlassen? Diese Frage stellt sich mir.
Komme zwar zu keiner befriedigenden Antwort, aber…meine eigenen Sturm- und Drangjahre tauchen ungefragt vor
meinem geistigen Auge auf. Und…Schande über mein Haupt, auch ICH war nicht immer ausgesprochen wählerisch, was meine Männerbekanntschaften anging. Natürlich weiß ich nur zu genau, aus
welchen Gründen ich damals meine Sorgfaltspflicht so erschreckend schleifen ließ. Alkohol. Partystimmung. Noch mehr Alkohol, und… in Folge dessen ein erhebliches Anlehnungsbedürfnis, das meist
ein ausgeprägtes Kuschelbedürfnis nach sich zog - mit wem auch immer! Fakt ist, dass ich vorhin an der bescheuerten Wursttheke bedeutend mehr Zeit investiert habe, als in jungen Jahren bei meiner
alkoholgetränkten Partnerwahl.
Aber dafür lasse ich mir heutzutage alle Zeit der Welt…komme nämlich nur noch schwer in die Pötte – ähnlich
wie an der Wursttheke. Ganz besonders dann, wenn mir jemand zu stark auf die Pelle rückt – ähnlich wie an der Wursttheke. Sergio kann da ein Lied von singen. Aber ihm geht so langsam
die Puste aus, denn er hat mir nun definitiv ein letztes Ultimatum gestellt. Bis Ende des Monats will er noch warten….keinen einzigen Tag länger. Der Countdown läuft…sechs, fünf, vier, drei,
zwei, eins…zero! Bezweifele aber, ob Sergios Zeitzünder da von Nutzen ist.
Wahrscheinlich werde ich am 30. November nicht umhin können, die Blätter eines Gänseblümchens zu befragen….