Samstag, 21. november 2009
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Verständnislos betrachte ich gestern Oma Gerti, wie sie in aller Ruhe Tannenzweige, Blumenschale und
Kerzenlicht auf dem Grab drapiert.
„Meinst du wirklich, dass deine Freundin noch etwas davon hat?“, frage ich skeptisch nach.
Meine Oma wirft mir einen ungnädigen Blick zu, drückt mir wortlos eine riesige Gießkanne in die Hand, und…ich trotte los. Nicht wirklich begeistert, aber…immer noch besser, als doof am Grab
herumzustehen. Meine Oma kann es nämlich nicht ausstehen, wenn man ihr ins Handwerk pfuscht, also…muss ich stets abwarten, was Gnädigste gedenkt, mir aufzutragen. Jetzt darf es also das Wasser
sein! Eigentlich lasse ich mich nicht herumkommandieren, nicht mal nonverbal, aber... bei meiner geliebten Oma drücke ich alle Augen zu. Schließlich würde die Gute ihr letztes Hemd für mich geben.
Darum gönne ich ihr auch besagten Spleen, und… mir im Gegenzug ’ne gute Marlboro.
Habe zwar nicht den blassesten Schimmer, ob man auf Friedhöfen überhaupt noch rauchen darf, aber entscheide mal großzügig zu meinen Gunsten. Außerdem…wer sollte mich hier an den Pranger stellen? Wo
kein Kläger, da kein Richter, und...die hiesige Belegschaft hält sich sowieso geschlossen. Höchstens Petrus könnte meinem Treiben ein Ende bereiten, indem er mit einem kräftigen Schauer schickt,
der meine Kippe zum Erlöschen bringt. Aber… da ich kein Wölkchen am Himmel erspähen kann, qualme ich mit gutem Gewissen weiter.
Nach der zweiten Kippe werde ich sogar endlich fündig. Das nicht trinkbare Wasser rinnt in die grüne Plastikgießkanne, und…ich versinke langsam aber sicher im matschigen Boden. Ungläubig starre ich
an mir runter. Das darf doch nicht wahr sein…meine geliebten High Heels stecken im siffigen Lehmboden fest!
„Das kommt davon, wenn man so eitel ist!“, lacht eine wohlvertraute Stimme hinter mir. Schwupps, packen mich von hinten zwei kräftige Männerarme und ziehen mich - samt Schuhwerk - aus dem Schlamm
heraus....
Fortsetzung folgt!
von AnnaChaos