Freitag, 20. november 2009 5 20 /11 /2009 14:29

Kann mich beim besten Willen nicht daran erinnern, dass ich Oma Gerti versprochen  habe, nach Feierabend, mit ihr zum Parkfriedhof zu latschen. Und… womöglich noch meine frisch lackierten Nägelchen in die vermoderte Erde zu schlagen, um Unkraut & Co an den Wurzelkragen zu gehen. Nie und nimmer!  Auf so einen Deal würde ich mich nie im Leben einlassen – zumindest nicht im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte. Ich hasse Friedhöfe, einschließlich ihres gesamten Inventars. Grabsteine aus Marmor, Granit oder Sandstein, ob lackiert oder unlackiert, rollen mir die Fußnägel hoch. Und…WER da WANN fein säuberlich verbuddelt wurde, und…ob ER oder SIE in der Blüte der Jahre dahingerafft wurde, betrachte ich nicht als mein vorrangiges Bildungsziel. Ganz anders meine Oma. Mit wachsender Begeisterung verweilt sie vor fremden Gräbern und liest mir andachtsvoll vor, WER da WANN von uns geschieden ist. Auch der Stein wird natürlich gebührend bewundert, wenn er in höchster Perfektion – ob mit oder ohne Engel – ihren erlesenen Kunstgeschmack trifft.

Da Oma stets neue Wege beschreitet, um die Grabstätte ihrer verstorbenen Freundin zu erreichen, kennt sie mittlerweile  jedes in Stein gehauene Kunstwerk. Wie oft habe ich an ihrer Seite schon den innigen Wunsch verspürt, mich ins nächstbeste , offene Grab zu stürzen, nur…um dem ganzen Elend ein schnelles Ende zu bereiten!

Unkonzentriert verteile ich an meine Drittklässler die Mathe-Arbeitszettel und überlege, wie ich mich heute vor abgestandenem Blumenwasser, vergammelten Blümkes und dem verhassten Modergeruch drücken kann, aber…ich muss – wie immer - passen.  Oma Gerti schwört nämlich Stein auf Bein, dass ich ihr meine Begleitung zugesagt habe, damit kein böser Räuber, der hinter Gebüsch oder Grabstein lauert, sich ihrer Handtasche bemächtigen kann. „Lass sie doch einfach zuhause!“, schmettert die gute Seele genauso ab, wie: „Du weißt, wie sehr ich Friedhöfe hasse!“

Garantiert hat meine clevere Oma mich mal wieder unter Drogen gesetzt, um mir das Versprechen abzuringen. Eine halbe Flasche von ihrem süffigen Aufgesetzten bringt sogar Steine zum Erweichen, und….versagt somit auch nicht bei einer verstockten, unwilligen Enkelin. Und.....was meine Oma sich einmal in den Kopf gesetzt hat, zieht sie eiskalt durch.  Da sind wir uns leider recht ähnlich!


von AnnaChaos
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Das Chaos ist perfekt...


                                                              


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