Gerade, als ich die letzten Spuren meiner Kochkünste beseitigt habe und zum gemütlichen Teil des Abends
übergehen möchte, klopft es an meiner Wohnungstür.
Ein lautes und eindringliches Klopfen, das ich beim besten Willen nicht ignorieren kann. Also schleiche ich auf leisen Flauschsohlen zum Ort des Geschehens, um den vermeintlichen Störenfried etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Neugierig werfe ich einen Blick durch den Spion, und….bin total überrascht, was für ein Prachtkerl von Mann da vor meiner Tür steht. Gutgelaunt reiße ich die Tür auf und strahle den abendlichen Besucher erwartungsvoll an.
„Frau Chaos?“
Ich nicke zustimmend und harre der Dinge, die da kommen.
„Ich heiße Stephan….und bin der neue WG-Bewohner!“, klärt mich der fesche Jüngling auf.
„Freut mich“, kommt es ganz spontan über meine Lippen. „Aber leider kann ich nicht mit einer WG dienen. Hier residiert eine vierköpfige Familie, die alle Zimmer in Beschlag genommen hat. LEIDER! Kann nicht mal ein kleines Abstellkämmerchen zur Verfügung stellen….“
Stephan grinst mich freundlich an.
„Ich bin im Erdgeschoß zugezogen….quasi als dritter Student im Bunde!“, unterrichtet er mich.
Bin echt baff. Wusste gar nicht mal, dass sich dort eine WG formiert hat, aber…man lernt ja nie aus. „Eier? Milch? Zucker? Kaffee? Tabak? Mit was kann ich denn aushelfen?“, disponiere ich sofort um.
„Danke….aber wir haben ALLES!“, teilt er mir mit.
Nun stehe ich auf'm Schlauch.
„Es ist mir irgendwie unangenehm….“, kommt der junge Mann nun ins Stottern. Er fegt sich eine vorwitzige Locke aus dem Gesicht und guckt total zerknirscht.
Man, macht DER es spannend. „So schlimm wird es schon nicht sein!“, versuche ich ihm auf die Sprünge zu helfen.
„Meine Vogelspinne ist mir ausgebüxt!“, kommt es zaghaft über seine Lippen.
Ungläubig starre ich mein Gegenüber an.
Mein Denkapparat weigert sich beharrlich, diese Botschaft zu verarbeiten.
„Nee…. näh?“, versuche ich das Unheil von mir abzuwenden.
„Leider doch!“, zerstört Spiderman mein unbeschwertes Samstagabenddasein und ich knalle ihm verstört die Tür vor der Nase zu. Will kein unnötiges Einschlupfloch bieten.
Und…wenn sich das ekelhafte Monstervieh schon längst in meiner Wohnung verkrochen hat? Ich male mir aus, wie
die riesige Spinne über meinen Körper krabbelt und sich nicht mehr abschütteln lässt. Ekel, Angst und Panik steigen in mir auf. Mein Herz schlägt mir zum Hals hinaus. Kann kaum noch klar
denken. Ich schnappe mir die gusseiserne Bratpfanne, schlüpfe in meine höchsten Winterstiefel, und überlege, was ich machen soll. 110 wählen….oder 112? Ins Hotel ziehen? Kammerjäger rufen?
Umziehen? Auswandern?
P.S. Melde mich wieder.... zu gegebener Zeit!