Monday, 2. january 2012
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22:31
Silvester schwelgte ich in unguten Erinnerungen. Also krempelte ich am frühen Nachmittag des 31. meine Ärmel hoch, knetete
die verschiedensten Teige, formte die ausgefallensten Gebilde und überraschte mich mit dem unterschiedlichsten Weihnachtsgebäck, das ich nach und nach aus heimischem Ofen beförderte.
Entweder schob ich mir nun frisches Backwerk in den Mund oder eine frische Kippe. Hauptsache, ich konnte mein aufgewühltes
Inneres einigermaßen in Schach halten. Warum hatte mal wieder ICH mir den falschen Mann aus dem riesigen Warensortiment herauspicken müssen? Warum gerade ICH? Keine Ahnung, warum stete an mir die
Mängelware kleben blieb! Hans-Gerd, der mich mit seinen überquellenden Gefühlen zugesülzt hatte, sülzte parallel auch anderweitig herum. Mistkerl! Immerhin hatte Angelika, seine nietnagelneue
Chatbekanntschaft, mir rechtzeitig die Augen geöffnet. Erbost knallte ich das vor mir liegende Teigstück auf den Tisch.
„Weihnachten ist doch schon längst vorbei!“, klärte mich mein Sohn, der irgendwann einen kurzen aber irritierten Blick in
die silvesterliche Backstube warf, auf. „Schnau...!“, geiferte ich böse . „Du bekommst eh nichts ab! Von mir aus kannst du Luftkompott mit Nebelsoße essen!“ - „PMS?“ , erkundigte sich mein
Jüngster daraufhin höhnisch und ich trat mit Schmackes die Küchentür hinter ihm zu. Ätzend, echt ätzend, dieses Männervolk! Am späten Nachmittag beendete ich meine silvesterliche
Weihnachtsbäckerei. Dafür meldete sich Hans-Gerd, der mir mit angemessener Reue in der Stimme, seine Angst vor dem Alleinsein verriet. Na, so was! Angelika hatte er also nur kontaktiert, um sich
in der Fremde die einsame Pranke halten zu lassen. Ich war zutiefst gerührt. Nee, war ich natürlich nicht! Da ich aber bereits zu intensiv ins heimische Rotweinglas geschaut hatte, gab ich
irgendeinen dämlichen Müll zum Besten. Ich kann mich zwar nicht mehr an den Fusel und das Gefasel erinnern, aber...scheinbar sind wir wieder zusammen. Zumindest denkt das Hans-Gerd. Ist mir
ehrlich gesagt auch wurscht, was ich im Suff halluziniert habe und was Hans-Gerd nun mutmaßt. Für mich ist die Beziehung den Bach runter.
Da draußen ein recht laues Lüftchen herrscht, sitze ich derweil in meiner bequemen Hollywoodschaukel. Paffend starre ich in den
nächtlichen Himmel und halte nach einer Sternschnuppe Ausschau. Obwohl ich heute mit vielen Einkaufstüten nach Hause gekommen bin, könnte ich neben diversen neuen Schühkes, Täschkes, Jeans,
Shirts und Dessous, auch...einen neuen Mann gebrauchen!