Also, ich stehe vor „Toscani“, dem Eiscafé. Mittlerweile ist es 22.05 Uhr. Ich sehe eine männliche
Person zielstrebig auf mich zusteuern. Meine Pupillen weiten sich unnatürlich, und… danach möchte ich nur noch eins, nämlich: WEG!
Und, das.. so schnell wie möglich!
Aber meine Füße setzten sich nicht in Bewegung. Scheinen in eine Art unnatürliche Starre gefallen zu sein. So
kommt mein vermeintliches „Blind-Date“ immer näher. Da ich ein Schimanski-Fan bin, fällt mir die Schmuddeljacke, die mein Auge erblickt, noch relativ positiv auf. Der voluminöse
Körper, Schätzgewicht 140 Kilogramm, ist dagegen der totale Abturner. Unter einem durchtrainierten Körper habe ich mir wahrlich etwas anders vorgestellt. Auch das kugelrunde Gesicht mit den
kleinen Schweinsäuglein ist nicht so ganz meine Kragenweite. Ganz kurz flackert in mir die Hoffnung auf, dass der Typ nicht mich, sondern nur einen Schoko-Eis-Becher mit viel Sahne
will…schließlich stehe ich vor „Toscani“. Doch meine Hoffnung stirbt, als die Wuchtbrumme vor mir halt macht.
Karl-Heinz aus Bottrop lüftet seine Identität. Dass er Bäcker von Beruf ist, hat er mir bereits getextet. Nur, dass er gleichzeitig sein bester Kunde ist, wusste ich bis dato noch nicht. Man lernt nie aus!
Verstohlen blicke ich mich um.
Hoffe nicht, dass mich jemand aus meinem Freundes- oder Bekanntenkreis mit dieser Erscheinung sieht. Der Leser möge bedenken, dass ich eine blutige Blind-Date-Anfängerin bin, und… das adäquate Abservieren noch nicht in mein Programm installiert ist.
Karl-Heinz riecht stark nach Gyros-Bude. Natürlich! Der Mensch lebt nicht allein von Brot und Kuchen. Karl-Heinz ist wie ein offenes Buch. Selbstverständlich hat er sich vor dem Date erst einmal richtig gestärkt. Auf das Bierchen hat er rücksichtsvollerweise verzichtet.
„Frauen mögen keine Bier-Fahne!“, klärt mich die Fresswurst auf.
Halte mich schön bedeckt. Was hätte ich auch sagen sollen?
„Nee, Du, die Bier-Fahne hätte ich gerne in Kauf genommen, wenn….mich die Realität etwas angenehmer eingeholt hätte!“
Er schlägt vor, dass wir uns bei "Toscani" auf einen Eisbecher reinsetzen sollen.
Nee, nur nicht! Die Chance, dass ICH gesehen werde, ist mir viel zu groß. Murmele etwas
von:
„Zuviel Kalorien!“, und...schlage einen Stadtbummel vor.
Karl-Heinz brabbelt munter vor sich hin. Ich überlege fieberhaft, wie ich diesen Fehlschlag wieder loswerden
kann. Lotse ihn erst einmal in schlecht beleuchtete Seitenstraßen, damit ich auf keinen Fall mit ihm zusammen gesehen werde. Das ist mein Nahziel.
Etwas verwundert ist mein Begleiter schon. Unter einem Stadtbummel hätte er sich aber was ganz anderes vorgestellt, nölt er herum. Ich versuche ihm die Romantik der dunklen Hinterhöfe schmackhaft zu machen, zugleich arbeite ich intensiv an einer schnellstmöglichen Entsorgung!
Fortsetzung folgt..