Sunday, 22. january 2012 7 22 /01 /Jan. /2012 21:18

Hans-Gerd ist Schnee von gestern und ich bin froh, dass dieses kurzlebige, unerquickliche Beziehungserlebnis keine einzige Narbe hinterlassen hat.

 

Aber ich stelle mir natürlich die Frage, warum ich nicht längst allen Männern abgeschworen habe. Mein Erfahrungspotential war bereits vor Hans-Gerd ausreichend, um mich bis ans Ende aller Tage als überzeugte Single-Frau durchs Leben stolzieren zu lassen, vorbei an jeder männlichen Versuchung! Doch bei mir scheint der Begriff ''Learning-by-doing'' keine einzige, bleibende Frucht hervorgebracht zu haben. Ganz im Gegenteil! Immer wieder lasse ich mich von einem Individuum umgarnen und verbrenne mir anschließend die Finger! Ähnlich wie mein Sohn, der in jungen Jahren immer wieder seine Hand auf heiße Herdplatten legte und sich danach die Seele aus dem Leib brüllte. Weder meine vorsorglichen Warnungen noch die unzähligen Brandblasen sorgten bei ihm für den gewünschten Lerneffekt.

 

Resümee: Vermutlich handelt es sich bei dem sträflichen Leichtsinn - gepaart mit Übermut und Unbelehrbarkeit - um einen genetischen Defekt meiner Familie!

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Monday, 2. january 2012 1 02 /01 /Jan. /2012 22:31

Silvester schwelgte ich in unguten Erinnerungen. Also krempelte ich am frühen Nachmittag des 31. meine Ärmel hoch, knetete die verschiedensten Teige, formte die ausgefallensten Gebilde und überraschte mich mit dem unterschiedlichsten Weihnachtsgebäck, das ich nach und nach aus heimischem Ofen beförderte.

 

Entweder schob ich mir nun frisches Backwerk in den Mund oder eine frische Kippe. Hauptsache, ich konnte mein aufgewühltes Inneres einigermaßen in Schach halten. Warum hatte mal wieder ICH mir den falschen Mann aus dem riesigen Warensortiment herauspicken müssen? Warum gerade ICH? Keine Ahnung, warum stete an mir die Mängelware kleben blieb! Hans-Gerd, der mich mit seinen überquellenden Gefühlen zugesülzt hatte, sülzte parallel auch anderweitig herum. Mistkerl! Immerhin hatte Angelika, seine nietnagelneue Chatbekanntschaft, mir rechtzeitig die Augen geöffnet. Erbost knallte ich das vor mir liegende Teigstück auf den Tisch.

 

„Weihnachten ist doch schon längst vorbei!“, klärte mich mein Sohn, der irgendwann einen kurzen aber irritierten Blick in die silvesterliche Backstube warf, auf. „Schnau...!“, geiferte ich böse . „Du bekommst eh nichts ab! Von mir aus kannst du Luftkompott mit Nebelsoße essen!“ - „PMS?“ , erkundigte sich mein Jüngster daraufhin höhnisch und ich trat mit Schmackes die Küchentür hinter ihm zu. Ätzend, echt ätzend, dieses Männervolk! Am späten Nachmittag beendete ich meine silvesterliche Weihnachtsbäckerei. Dafür meldete sich Hans-Gerd, der mir mit angemessener Reue in der Stimme, seine Angst vor dem Alleinsein verriet. Na, so was! Angelika hatte er also nur kontaktiert, um sich in der Fremde die einsame Pranke halten zu lassen. Ich war zutiefst gerührt. Nee, war ich natürlich nicht! Da ich aber bereits zu intensiv ins heimische Rotweinglas geschaut hatte, gab ich  irgendeinen dämlichen Müll zum Besten. Ich kann mich zwar nicht mehr an den Fusel und das Gefasel erinnern, aber...scheinbar sind wir wieder zusammen. Zumindest denkt das Hans-Gerd. Ist mir ehrlich gesagt auch wurscht, was ich im Suff halluziniert habe und was Hans-Gerd nun mutmaßt. Für mich ist die Beziehung den Bach runter.

 

Da draußen ein recht laues Lüftchen herrscht, sitze ich derweil in meiner bequemen Hollywoodschaukel. Paffend starre ich in den nächtlichen Himmel und halte nach einer Sternschnuppe Ausschau. Obwohl ich heute mit vielen Einkaufstüten nach Hause gekommen bin, könnte ich neben diversen neuen Schühkes, Täschkes, Jeans, Shirts und Dessous, auch...einen neuen Mann gebrauchen!

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Friday, 30. december 2011 5 30 /12 /Dez. /2011 21:02

Heute ist der vorletzte Tag des Jahres und ich befinde mich mal wieder in einer elementaren Abbruchstimmung.

 

Nehmen wir zum Beispiel den 30. Dezember 2007...ein Sonntag. Auch da wurde ich diesbezüglich heimgesucht. Also packte ich damals die Gelegenheit beim Schopfe, kontaktierte meine damalige Schulleiterin per SMS und setzte sie davon in Kenntnis, dass ich ihren üblen Schuppen nie wieder betreten würde. Weder am ersten Schultag nach den Weihnachtsferien noch an irgendeinem anderen Tag. Seinerzeit hat meine prägnante Kündigungs-SMS natürlich eine Menge Ärger und eine riesige Schmutzlawine nach sich gezogen, aber...ich habe meine einmal gefällte Entscheidung nie bereut. Ganz im Gegenteil, von da an ging es bergauf, zumindest in beruflicher Hinsicht.

 

Als ich mich heute Mittag aus dem Bett schälte, spürte ich sofort, dass der Tag nicht gleichmäßig plätschernd an mir vorbeiziehen würde. So verlässlich, wie die Narbe an Oma Gertis rechtem Bein einen Wetterumschwung ankündigt, so fühlte auch ich in meinen Gebeinen ein gewisses, zukunftsweisendes Prickeln. „Typisch Raucherbein!“, kommentierte Sohn Leo mein in Worte gefasstes Statement. Weitere Erklärungsversuche schmetterte er ab, indem er mir gnadenlos mitteilte, dass er auf meinen unfundierten Scheiß keinen Bock hätte. Ich bedachte meine rotznäsige Leibesfrucht mit einem ungnädigen Blick und steckte mir hoheitsvoll die letzte Zigarette, die die Packung noch hergab, an. Ich paffte genüsslich vor mich hin und sinnierte über etwaige Veränderungen, die bereits zum Greifen nahe schienen. Aber abgesehen davon, dass ich mit dem Rauchen aufhören wollte und mal wieder gedachte, meinen Sohn ins nächste Waisenhaus abzuschieben, tat ich mich echt schwer, den Hinweis aus meinen Gebeinen  zu deuten.

 

Erst als ich mich später genötigt sah, meinen bescheidenen Haushalt zwecks Suchtbefriedigung auf den Kopf zu stellen, wurde ich fündig. Nee...eine verwaiste Kippe fiel mir nicht in die zittrigen Hände, wohl aber ein winziger Zettel mit einer mir unbekannten Handy-Nummer, die ich schwarz auf weiß einer Angelika zuzuordnen konnte. Ich befragte meine Kinder aber die kannten weder besagten Namen noch besagte Nummer. Da die Handschrift, die beides zu Papier gebracht hatte, verdammt nach Hans-Gerd aussah, wählte ich kaltblütig die notierte Nummer an und gab mich als Hans-Gerds Schwester aus. „Ich kann meinen Bruder nicht erreichen!“,seufzte ich gekonnt theatralisch, „können Sie mir vielleicht weiterhelfen?“ Nach einer kurzen Pause bekam ich einen sachdienlichen Hinweis: „Ich kenne Ihren Bruder noch gar nicht persönlich!“ vertraute mir die muntere Angelika an. „Wir haben uns erst vor ein paar Tagen im Chatraum kennengelernt, und...nächste Woche werden wir uns das erste Mal persönlich begegnen...“ - „Dann wohnen Sie vermutlich in Frankfurt!“, tippte ich gewagt drauf los. „Ja!“ Da schau her! Mit meiner spontanen Eingebung hatte ich voll ins Schwarze getroffen. Hans-Gerd, der ab Montag für zwei Wochen geschäftlich in Frankfurt weilt, hatte bereits matratzenmäßig vorgesorgt. Dieser hinterhältige Frauenstapler! „Dann bestellen Sie meinen Bruder ganz, ganz liebe Grüße!“, beendete ich süßsauer das Gespräch mit der unbedarften Chatterin.

 

Anschließend fiel es mir wie Schuppen von den Augen. „Mit dem Rauchen sollst du nicht aufhören! Nicht mit dem Rauchen!“, flüsterte ich andächtig und streifte mir bereits die High Heels über, um noch vor Ladenschluss Real zu erreichen. Nachdem ich mich mit einer ganzen Stange Marlboro Gold eingedeckt hatte, formulierte ich folgende SMS an Hans-Gerd: Leider habe ich mich in einen anderen Mann verliebt und beende somit unsere Beziehung. Dir alles Gute und ein erfolgreiches 2012!

 

P.S. Mit dem anderen Mann ist aber keineswegs Schimmi gemeint!

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